May 3, 2026
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SAP enttäuscht mit Cloud-Ausblick - Aktie sackt trotz solider Jahreszahlen ab

SAP liefert für 2025 starke Kennzahlen, steigert den freien Cashflow deutlich und kündigt ein neues Aktienrückkaufprogramm an. Trotzdem gerät die Aktie unter Druck, weil Cloud-Backlog und Ausblick für 2026 die hohen Erwartungen des Marktes nicht erfüllen.

SAP hat für 2025 Zahlen vorgelegt, die operativ vieles richtig aussehen lassen. Umsatz, Gewinn und freier Cashflow legten kräftig zu, dazu kommt ein neues Aktienrückkaufprogramm über bis zu 10 Milliarden Euro. Dennoch reagierte die Börse mit einem deutlichen Kursrutsch. Die Aktie verlor nach den Zahlen Ende Januar zeitweise rund 15 Prozent und verzeichnete damit den stärksten Tagesverlust seit dem Jahr 2020.

Der erste Blick auf die Bilanz erklärt diese Reaktion nicht sofort. Nach Angaben des Unternehmens stieg der Gesamtumsatz 2025 auf 36,8 Milliarden Euro. Die Cloud-Umsätze legten auf 21,02 Milliarden Euro zu, das Cloud- und Softwaregeschäft erreichte 32,54 Milliarden Euro. Besonders stark fiel der Anstieg beim freien Cashflow aus, der sich auf 8,24 Milliarden Euro erhöhte. Auch das Non-IFRS-Betriebsergebnis verbesserte sich auf 10,42 Milliarden Euro. Operativ hat SAP damit ein Jahr geliefert, das grundsätzlich zur Strategie des Konzerns passt.

Warum also die heftige Reaktion an der Börse? Entscheidend war, dass der Markt noch mehr sehen wollte. Im Fokus stand vor allem der sogenannte Current Cloud Backlog, also der kurzfristigere Auftragsbestand im Cloud-Geschäft. Er stieg im vierten Quartal währungsbereinigt um 25 Prozent auf 21,05 Milliarden Euro. Das klingt stark, lag aber leicht unter den Erwartungen der Analysten. Gerade bei SAP, wo sich die Börsenstory stark um das Cloud-Wachstum dreht, reicht schon ein kleiner Rückstand gegenüber dem Konsens aus, um Nervosität auszulösen.

Auch der Ausblick für 2026 sorgte nicht für Entspannung. SAP erwartet für das laufende Jahr Cloud-Umsätze von 25,8 bis 26,2 Milliarden Euro sowie ein Non-IFRS-Betriebsergebnis von 11,9 bis 12,3 Milliarden Euro. Der freie Cashflow soll bei rund 10 Milliarden Euro liegen. Problematisch war aus Marktsicht jedoch, dass SAP gleichzeitig signalisiert hat, dass sich das Wachstum des Current Cloud Backlog 2026 leicht abschwächen dürfte. Reuters ordnete genau diesen Punkt als Kern der Enttäuschung ein.

Deutsche Marktbeobachter kamen zu einem ähnlichen Schluss. dpa-AFX schrieb, dass sich Analysten und Börsianer vor allem am Cloud-Bestand störten. In einem späteren Überblick hieß es zudem, SAP könne die Anleger mit der in Aussicht gestellten Beschleunigung des Umsatzwachstums nicht über die aktuelle Enttäuschung hinwegtrösten. Damit wurde deutlich: Nicht die Richtung der Geschäftsentwicklung stand infrage, sondern die Dynamik.

Hinzu kommt, dass SAP in den vergangenen Jahren zu den teuer bewerteten Qualitätswerten im europäischen Technologiesektor zählte. In solchen Situationen werden gute Zahlen anders gelesen als bei klassischen Turnaround-Aktien. Es reicht dann nicht mehr, solide zu liefern. Der Markt erwartet, dass Wachstum, Auftragseingang und Ausblick die hohen Bewertungen bestätigen oder sogar übertreffen. Genau das ist SAP mit dem Januar-Update nicht gelungen.

Strategisch bleibt die Ausgangslage für den Konzern dennoch intakt. SAP profitiert weiter vom Umbau seines Geschäftsmodells in Richtung Cloud, von einer hohen Quote wiederkehrender Erlöse und von wachsendem Interesse an Business-AI-Anwendungen. Das Unternehmen selbst betonte, dass KI bereits in einem großen Teil der Cloud-Aufträge des vierten Quartals eine Rolle spielte. Auch das Aktienrückkaufprogramm zeigt, dass der Vorstand Vertrauen in die mittelfristige Finanzkraft hat.

Für Anleger ist die Lage deshalb differenziert zu bewerten. Operativ bleibt SAP stark, und viele Kennzahlen entwickeln sich in die richtige Richtung. Kurzfristig zeigt die Kursreaktion aber, wie sensibel der Markt bei Softwarewerten derzeit auf jede Verlangsamung im Cloud-Geschäft reagiert. Die Zahlen für 2025 waren solide bis gut. Der Ausblick war für eine hoch bewertete Aktie jedoch nicht stark genug, um neue Euphorie auszulösen.