Obwohl der physische Silberpreis im Januar 2026 Rekordmarken von über 120 USD erreichte (ein Plus von ca. 65 % im Monatsverlauf), konnten die Minenaktien diese Rallye nicht voll mitmachen. Die Gründe für diese Underperformance sind vielschichtig:
Während der physische Silberpreis im Januar 2026 die Marke von 120 US-Dollar testete, blicken viele Anleger enttäuscht auf ihre Depots: Die Aktien der großen Silberproduzenten (Minenwerte) stiegen oft nur unterproportional oder fielen sogar. Historisch gesehen gelten Minenaktien als „Hebel“ auf das Edelmetall – sie sollten also eigentlich stärker steigen als der Rohstoff selbst. Warum bleibt dieser Effekt aktuell aus?
Der wichtigste Grund liegt in den explodierenden Betriebskosten. Die Inflation hat die Bergbauindustrie hart getroffen. Steigende Energiepreise (Diesel für schwere Maschinen), höhere Lohnforderungen und teurere Ersatzteile treiben die sogenannten AISC (Gesamtkosten der Produktion) nach oben. 2026 liegen diese bei vielen Primärproduzenten zwischen 18 und 28 US-Dollar pro Unze. Steigen die Kosten schneller als der Silberpreis, fressen sie die Gewinnmargen auf, bevor diese beim Aktionär ankommen.
Ein strukturelles Problem ist, dass nur etwa 25 % bis 30 % des weltweiten Silbers aus reinen Silberminen stammen. Der Großteil wird als Beiprodukt in Kupfer-, Blei- oder Zinkminen gefördert. Wenn die Preise für Industriemetalle wie Kupfer aufgrund einer schwächelnden Weltwirtschaft stagnieren, leiden die Bilanzen dieser Unternehmen insgesamt – selbst wenn der Silberanteil darin im Preis steigt.
Viele der reichsten Silbervorkommen liegen in Ländern mit zunehmendem politischem Risiko. 2025 und Anfang 2026 haben mehrere lateinamerikanische Staaten (wie Mexiko) die Umweltauflagen verschärft oder Sondersteuern auf Windfall-Profite (Zufallsgewinne) durch hohe Rohstoffpreise eingeführt. Dies schreckt institutionelle Investoren ab, die lieber das physische Metall halten, um das „Länderrisiko“ der Minen zu vermeiden.
Analysten bewerten Minenaktien oft auf Basis konservativer Langfrist-Preise (z. B. 40–50 $), anstatt den aktuellen Spotpreis von 100 $ heranzuziehen. Es dauert oft mehrere Quartalsberichte, bis die hohen Cashflows tatsächlich in den Büchern stehen und die Marktteilnehmer ihre Bewertungsmodelle an die neue Realität anpassen.
Fazit: Silberaktien leiden derzeit unter einer „negativen Hebelwirkung“. Erst wenn die Kosten stabil bleiben und die Minen über mehrere Quartale zeigen, dass sie die hohen Preise in echte Dividenden ummünzen können, dürfte der „Catch-up Trade“ (die Aufholjagd) beginnen.